Von der HJ Uniform zum Antifaschisten
Erzählcafé mit Gerhard Danninger (Jg. 1929) am 15. September 2021

Als 16jähriger war Gerhard Danninger Anfang Mai 1945 als Soldat in Berlin und erfuhr beiläufig von einem SS-Offizier, dass Hitler tot sei. Das war das Ende seiner Jugendgeschichte, die er bei unserem Erzählcafé berichtete. Knapp 80 interessierte Besucher und Besucherinnen lauschten gespannt seinen Erzählungen im Pfarrsaal Enns-St. Laurenz.

Er berichtete, wie perfid das Nazi-Regime es geschafft hatte, Ennser Jugendliche in seinen Bann zu ziehen, mit der Belohnung durch die HJ-Uniform mit Cordhose, Überwurf und Dolch, militärische Übungen und gemeinsames Liedersingen im Wochenendzeltlager. Es war unmöglich, diesem System zu widerstehen, das mit Angst und Belohnung agierte: So musste z.B. bei den Gruppentreffen erzählt werden, was die Eltern so zuhause vom Regime hielten, als Strafe für Jugendstreiche musste er die HJ verlassen und als 14jähriger Kurier Dokumente nach Tschechien bringen. Als er sich auch da Freiheiten herausnahm, wurde er zum Kriegsdienst eingezogen, erlebte die Bombardierung Dresdens und wurde anschließend Kriegsgefangener.

Bewundernswert wie detailreich Gerhard Danninger als heute 92jähriger diese bewegenden Jahre noch in Erinnerung hat und wie diese Erfahrungen sein späteres Leben als Antifaschist geprägt haben. Die Wiese am Eichberg wird für ihn dabei immer ein Symbol sein: Das war der Ort, wo die Nazis mystische Fackelabende veranstalteten und zu Kriegsende Widerstandskämpfer und Deserteure erschossen.

Wir danken ihm sehr herzlich für den berührenden Nachmittag.


Wanderausstellung GEH-DENK-Spuren


Die Ausstellung mit 24 Rollups von Gemeinden entlang der Todesmarschstrecke ist an diesen Orten zu sehen:


  • 3.9. - 1.10.2021 in Großraming/Ennstal
  • 25.10. - 17.11.2021 Haus der Erinnerung St. Georgen/Gusen
  • 27.11. - 5.12.2021 in St. Marien
  • Gedenkstätte Mauthausen: ständige Ausstellung im Reviergebäude (englische Sprache)

Begleitbroschüre zur Wanderausstellung


Accompanying brochure in english


Informationen zur Todesmarschstrecke

Auf dieser interaktiven Landkarte der Historikerin Angelika Schlackl erhalten Sie Informationen zu allen Orten und bekannten Ereignissen entlang der Todesmarschstrecke von Mauthausen/Gusen nach Gunskirchen:


Text-, Bild- und Tonkollagen von Überlebenden

Nähere Infos über Jehuda Bacon finden Sie auf dieser Präsentation von Ottilie Oberreiter-Samide:


Ulrike Ahorner hat diese Präsentation über Dr. Edith Eger zusammengestellt:


Julia Mayr ist Professorin für Geschichte am BG/BRG Enns und hat ihren SchülerInnen biografisches Material zu zwei weiteren Überlebenden übermittelt und sie um Rückmeldungen gebeten.


Michael Kraus: Tagebuch 1942–1945: Aufzeichnungen eines Fünfzehnjährigen aus dem Holocaust

Michael Kraus
Thomas:
Ich stelle es mir unheimlich schrecklich vor, ohne meine Eltern und meine Brüder ganz allein in einem Konzentrationslager eingesperrt zu sein. Ich hätte unendlich viel Angst. Den ständigen Hunger stelle ich mir auch ganz furchtbar vor. Mich wundert es nicht, dass viele diese Qualen nicht überlebt haben. Leider sind auch die Eltern von Herrn Kraus im KZ ums Leben gekommen. Es macht mich sehr traurig, über diese Dinge nachzudenken. Vor allem weil diese Verbrechen leider auch ganz in der Nähe von Enns stattgefunden haben.

Es ist beeindruckend wie Herr Kraus es trotzdem geschafft hat, so ganz auf sich allein gestellt, als Kind zu überleben. So etwas Schreckliches darf nirgends auf der Welt mehr passieren. Dafür müssen vor allem wir jungen Menschen kämpfen. Ich bin froh darüber, dass Herr Kraus trotz der Qualen überlebt hat und eine eigene Familie gründen konnte.
Selma:
Es gehen einem viele Gedanken durch den Kopf, doch am meisten stelle ich mir die Frage wie Menschen so rassenvertieft sein können, dass sie Menschen auf Grund ihrer Herkunft, Familie oder auch Hautfarbe so behandeln und deren ganze Familien bzw. ganze Völker auf so grausame Art und Weise vernichten wollen.

Aus solch einem Erlebnis oder auch nur als Geschichte kann man nicht viel Positives mitnehmen, jedoch zeigt es uns, dass man mit etwas Positivem denken und starker Hoffnungen oft an sein Ziel gelangen kann.
David Hersch: Flucht auf dem Todesmarsch (in Enns, das Buch seines Sohnes Jack Hersch ist 2020 auf deutsch erschienen)

David Hersch
Caro:
Diese Gedanken beschäftigen mich: Wo hat er sich verirrt? Wie wurde er dort behandelt (Versteck)? Wie konnte er fliehen? Wie ist er mit der Angst umgegangen?

Als junger Mensch kann ich davon mitnehmen: Es gibt immer eine Lösung, man muss nur den richtigen Weg finden. Ich finde es sehr ermutigend, dass sich ein Mann wie David Hersch traute zu flüchten. Es war sicherlich nicht leicht, doch er hat es geschafft. Viele Menschen starben an Folgen des zweiten Weltkriegs, doch manche überlebten und an diese Leute sollten wir denken, wenn wir etwas nicht schaffen, denn sie haben das fast Unmögliche möglich gemacht.
Laura:
Obwohl ich in diesem Fall schon wusste, dass David Hersch fliehen konnte, war es in gewisser Weise eine Erleichterung zu lesen, dass er nicht bestraft wurde und er nach der Befreiung ein normales Leben weiterführen konnte.

Im Allgemeinen könnte man sich aus dieser Biografie mitnehmen, dass man sich nicht so leicht unterkriegen sollte und es auch in ausweglos zu scheinenden Situationen eine Lösung gibt wodurch es im Nachhinein wieder besser werden kann.

„Bedenkt, dass ihr Menschen seid.Das ist das Einzige, seid menschlich!“

Diese Botschaft richtet der KZ-Überlebende Aba Lewit an die Menschen heute. In der Nazi-Diktatur erreichte die Menschlichkeit ihre Grenze bzw. ging überhaupt verloren. Auch heute brauchen wir wieder mehr Menschlichkeit und guten Umgang miteinander: „Denn das Vergessen des Bösen ist die Erlaubnis zu seiner Wiederholung!“